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Von der Tierliebe zum aktiven Tierschutz

  • Jessica Allkemper
  • vor 16 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Von der Tierliebe zum aktiven Tierschutz

Hi, ich bin Laura. Ich bin mit Tieren aufgewachsen und hatte schon immer einen besonders guten Draht zu Hunden. Aktiv zum Tierschutz kam ich im Jahr 2023. Kurze Zeit später adoptierte ich mit Sammy selbst einen Hund aus dem Ausland.

Rhodos kannte ich bereits von zwei früheren Reisen. Dabei hatte ich erste Eindrücke von der Situation der Tiere vor Ort gewonnen. Diese Erfahrungen haben mich sehr beschäftigt und schließlich dazu bewegt, mich Rhodos Pfoten e. V. als ehrenamtliche Helferin anzuschließen.

Heute unterstütze ich den Verein bei der Vermittlung von Hunden, bei der Planung ihrer Ausreisen und bei vielen weiteren organisatorischen Aufgaben. Durch den engen Austausch mit unseren Tierschützerinnen und Tierschützern auf Rhodos hatte ich bereits vor meiner Ankunft eine ungefähre Vorstellung davon, was mich im Tierheim und in den kleineren Sheltern erwarten würde.

Trotzdem ist es etwas völlig anderes, selbst vor Ort zu sein.

Der erste Morgen im Tierheim

Ich war allein unterwegs und ausschließlich für den Tierschutz nach Rhodos gereist – auch wenn die Aussicht auf etwas wärmere Temperaturen natürlich ein schöner Nebeneffekt war.

Bereits an meinem ersten Morgen ging es direkt ins Tierheim. Die ersten Besuche sind eine regelrechte Reizüberflutung: lautes Bellen, unzählige Hunde, die aufgeregt an den Zäunen hochspringen und sich nach Aufmerksamkeit sehnen, und gleichzeitig der Gedanke, dass einige von ihnen vielleicht nie etwas anderes als das Leben in einem Zwinger kennenlernen werden.

All diese Eindrücke prasseln gleichzeitig auf einen ein. Mir hilft in solchen Momenten nur eines: hinein ins Getümmel und in den Arbeitsmodus wechseln.

Viele Aufgaben und niemals wirklich fertig

Die tägliche Arbeit in einem Tierheim ist vielfältig und körperlich anstrengend. Zuerst werden die Gehege gereinigt und ausgespült, anschließend werden die Hunde gefüttert. Parallel findet ein kleiner Gesundheitscheck statt: Geht es allen Tieren gut? Gibt es Auffälligkeiten? Wie ist ihr allgemeiner Zustand?

Mit dem Saubermachen ist man eigentlich nie wirklich fertig. Deshalb folgt nach der Fütterung meist eine weitere Runde durch die Zwinger.

Gerade während der Sommersaison kommen außerdem Besucher und Touristen ins Tierheim. Sie haben Fragen zu einzelnen Tieren, möchten erste Kontakte knüpfen oder einen Hund ausführen. Dann helfen wir dabei, die passenden Hunde auszuwählen und sie sicher mit Halsband, Geschirr und Leine auszustatten.

Jede Minute außerhalb des Zwingers zählt

Sind die wichtigsten Aufgaben erledigt, bleibt hoffentlich etwas Zeit für die individuellen Bedürfnisse der Hunde. Jeder Helfer hat dabei seine eigene Art – und manchmal auch eine ganz besondere Verbindung zu bestimmten Tieren.

Ob Kuscheln, Spielen, kleine Trainingseinheiten oder eine Gassirunde: Jede Minute außerhalb des Zwingers ist für die Hunde eine wertvolle Auszeit vom stressigen Shelter-Alltag.

Besonders junge Hunde und Tiere, die bald ausreisen dürfen, können bereits behutsam an Geschirr und Leine gewöhnt werden. So sammeln sie erste Erfahrungen, die ihnen den Start in ihrem zukünftigen Zuhause erleichtern.

Auch das Fotografieren und Einschätzen der Tiere gehört zu den wichtigen Aufgaben. Ihre Vermittlungsprofile müssen erstellt oder regelmäßig aktualisiert werden, damit interessierte Familien möglichst viele verlässliche Informationen über ihren Charakter und ihre Bedürfnisse erhalten.

Nähe, Vertrauen und besondere Begegnungen

Die meisten Hunde begrüßten mich freundlich, neugierig und voller Begeisterung bereits am Zaun. Viele von ihnen genießen den Kontakt zu Menschen sehr und können gar nicht genug Nähe bekommen.

Gerade bei besonders aktiven Hunden ist es allein mit nur zwei Händen allerdings gar nicht so einfach, schöne Fotos aufzunehmen. Sie möchten am liebsten gleichzeitig kuscheln, spielen und ganz nah bei einem sein – stillhalten ist vor lauter Freude kaum möglich.

Zurückhaltende oder ängstliche Hunde brauchen dagegen mehr Zeit und Ruhe. Umso schöner ist der Moment, wenn sie sich schließlich näher heranwagen, Vertrauen fassen und sich zum ersten Mal richtig streicheln lassen. Für dieses Gefühl lohnt sich jede Minute Geduld.

Überrascht hat mich, wie wenige Hunde den Kontakt zu Menschen grundsätzlich ablehnten. Nur bei einem kleinen Teil der Tiere sollte eine fremde Person nicht einfach das Gehege betreten. Angesichts der Tatsache, dass einige von ihnen in der Vergangenheit Vernachlässigung, Misshandlung oder Kettenhaltung erlebt haben, ist es beeindruckend, wie offen und zugewandt die meisten Hunde uns Menschen trotzdem begegnen.

Ein intensiver Mix aus Emotionen

Die Tage im Shelter vergingen unglaublich schnell. Gleichzeitig hatte ich nie das Gefühl, wirklich fertig zu sein.

Die Arbeit vor Ort ist ein intensiver Mix aus ganz unterschiedlichen Gefühlen. Da sind die vielen schönen Begegnungen, die besonderen Momente mit liebevollen Hunden und das gute Gefühl, ihnen Aufmerksamkeit, Abwechslung und Nähe geschenkt zu haben.

Gleichzeitig bleibt die Gewissheit, dass viele von ihnen noch keine konkrete Perspektive haben. Manche Tiere erhalten keine Anfragen und haben nur wenig Hoffnung darauf, dass sich ihre Situation bald verändert.

Jeder geht anders mit dieser Belastung um. Wenn einen Wut, Trauer oder Verzweiflung überrollen, sind zum Glück meist einige liebevolle Hunde in der Nähe, die sich bereitwillig als Seelentröster anbieten.

Für ein Ticket in ein neues Leben

Tierschutz in dieser Form ist nichts für schwache Nerven. Doch jeder Einsatz lohnt sich – besonders dann, wenn ein Tier schließlich sein Ticket in ein vollkommen neues Leben erhält.

Wir können nicht die ganze Welt retten. Aber wir können für einzelne Hunde ihre gesamte Welt verändern.

Auch nach meiner Rückkehr brauchte ich einige Tage, um all die Eindrücke zu verarbeiten. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, mich direkt vor Ort engagieren und einen aktiven Beitrag leisten zu können.

Die Reise hat meinen Respekt vor der täglichen Arbeit der Tierschützerinnen und Tierschützer auf Rhodos noch einmal verstärkt. Gleichzeitig hat sie mir gezeigt, wie viel auch ein einzelner Mensch bewirken kann.

Engagement macht einen Unterschied – und jeder kann dazu beitragen.

 
 
 

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